Matthieu Gafsou Surfaces
























In Tunesien unterschieden sich die Räume, denen ich begegnete, auf sonderbare Weise. Ihre Verbindung
schien unmöglich; die Kohärenz der Welt, die ich gerade entdeckte, blieb schleierhaft. So, als würden zwei
autonome Gegenwarten gleichzeitig nebeneinander existieren.
Die erste gilt dem Betrachter eines Landes, das sich darstellen will. Die Klarheit der Bauten reicht nicht aus,
um die Baulücken überall herum zu verdecken. Die Bauten sind Artefakt, Schein. Die zweite Gegenwart ist
trivial. Hier leben die Leute. Ein labyrinthisches Gewebe voller Sackgassen und willkürlich angelegter
Strassen. Was sich hier zeigt, verdeckt das, was ist. Vor das Sichtbare gestellt.
Von diesen zwei Welten kann man in dokumentarischem Sinne sagen, dass sie von der Schwierigkeit eines
jungen Landes zeugen, sich mit einer Moderne zurechtzufinden, die es nicht selber generiert hat. Aber es
geht auch darum, das Medium zu hinterfragen: sind die Bilder Dokumente oder vielmehr eine Art, aus dem
empirischen Material ein neues autonomes, statueskes Objekt zu machen?




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