Urheberrecht Glossar
Erstellt durch Philippe Perreaux und Stefanie Haab, 19. Juni 2006

Verweise zu anderen in diesem Glossar definierten Begriffe sind kursiv hervorgehoben oder speziell genannt.

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Das Durchsetzen von Schadenersatz oder einer Genugtuung auf dem Rechtsweg setzt voraus, dass eine gesetzliche Anspruchsgrundlage besteht. Eine Anspruchsgrundlage besteht dann, wenn eine konkrete gesetzliche Norm z.B. aus dem Urheber- oder dem Wettbewerbsrecht verletzt ist. Dies alleine genügt jedoch noch nicht. Zusätzlich müssen stets auch bestimmte Klagevoraussetzungen erfüllt sein.

Siehe auch: Miturheber

Folgende Begriffe sind im Urheberrecht anderer Länder geregelt bzw. institutionalisiert, dem Schweizer Urheberrecht jedoch nicht bekannt:
  • Bibliothekstantième
  • Folgerecht
  • Produzentenartikel
  • Schutz technischer Schutzmassnahmen
  • Urhebervertragsrecht


Im Zusammenhang mit Bearbeitungen (vor)bestehender, urheberechtlich geschützter Werke, sind die Umgestaltung und die Neugestaltung zu unterscheiden.

Bei der Umgestaltung ist das Originalwerk im neuen Werk weiterhin erkennbar, weshalb vorgängig die Zustimmung vom Ersturheber einzuholen ist, welche zumeist mit einer finanziellen Abgeltung desselben verbunden ist. Das neu erarbeitete Werk erhält anschliessend einen eigenen, selbstständigen Urheberrechtschutz.

Bei der Neugestaltung hingegen geht das Originalwerk im neuen Zweitwerk unter, weshalb hier keine Genehmigung des Ersturhebers einzuholen ist, mithin auch keine Bezahlung anfällt.

Wann und ob eine Fotografie oder sonst ein Kunstwerk in einer neuen Fotografie im juristischen Sinne erkennbar ist, bleibt freilich stets eine schwierige und fallspezifische Abwägung, welche praktisch nur von spezialisierten Juristen beurteilt werden kann.

Der Begriff Berechtigte bezeichnet einerseits die Urheber selber, also Fotografen, aber auch Dritte, die durch Lizenzierung, Arbeitsvertrag oder Vererbung über gewisse Rechte an den Fotografien verfügen.

Siehe auch: kollektive Verwertung

Bibliotheken stellen Ihren Benutzern Bücher, aber auch Fotografien bzw. Kartensammlungen etc. zur Verfügung. Diese können meistens ausgeliehen werden und der Nutzer kann auch Fotokopien erstellen. In der Schweiz wird für diese Nutzung keine Gebühr erhoben. Viele Nachbarländer haben jedoch inzwischen eine Bibliothekstantième eingeführt, weshalb eine solche nun auch in der Schweiz in Betracht gezogen wird.

Siehe auch: Kollektive Verwertung

Siehe auch: Zitat

Der Begriff des Buy Out wurde im Zusammenhang mit dem angelsächsischen Copyright System entwickelt, weshalb er der Schweizerischen Rechtslehre fremd ist. Insgesamt geht es darum, dass sich der Auftraggeber auf diesem Weg vertraglich sämtliche Nutzungsrechte für sämtliche Verwertungsformen pauschal abtreten lässt, was gemäss Schweizerischem Recht jedoch in dieser allgemeinem Form nicht gesetzeskonform und somit ungültig ist, siehe auch universelles Nutzungsrecht, Lizenzen, Persönlichkeitsrecht und Verwertungsformen.


Der Vermerk © für Copyright stammt aus dem angelsächsischen Rechtsystem des Copyrights. Früher musste in diesem System der Urheber jedes Werk mit diesem ©-Zeichen versehen und in ein Register eintragen lassen, wollte er, dass sein Werk in den Genuss urheberrechtlichen Schutzes kommt. Diese Schutzvoraussetzungen wurden inzwischen abgeschafft.

In Kontinentaleuropa hat sich hingegen schon früh das französische „droit d’auteur“-System durchgesetzt, welches jedem Werk mit der Entstehung automatisch, ohne Registrierung und spezieller Kennzeichnung, Urheberrechtsschutz zukommen lässt. Dieses System weicht in diversen Punkten erheblich vom Copyrightsystem ab.

Im Zuge der Digitalisierung und inzwischen weit verbreiteten Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache hat sich der Begriff Copyright im Volksmund etabliert. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es sich um zwei grundlegendverschiedene Systeme handelt und hierzulande das eigentliche „Copyright“ nicht existiert.


Unter Digital Rights Management (DRM) versteht man die elektronische Kontrolle, Verwaltung, Vergabe und In-Rechnung-Stellung von Zugangs- bzw. Nutzungsrechten zu urheberrechtlich geschützten digitalen Inhalten. Mittels DRM-Systemen wird der Zugang zu geschütztem bzw. kommerziell verwertetem Material technisch geschützt und die Inhalte werden zumeist nur gegen Bezahlung dargeboten. In diesem Zusammenhang stellt sich die weiterführende Frage, inwiefern die Umgehung solcher DRM-Systeme zulässig bzw. verboten sein soll und wie sich diese auf den Eigengebrauch auswirken.

Siehe auch: Schutz technischer Schutzmassnahmen


Dem Eigengebrauch zu privaten, nicht kommerziellen Zwecken wird im Schweizerischen Urheberrecht eine grosse Bedeutung zugemessen. Es ist erlaubt urheberrechtlich geschütztes Material für sich selber zu Vervielfachen und im engen Familien-, Bekannten- bzw. Freundeskreis zu verbreiten. Diese bewährte Ausnahmeregelung hat in jüngster Zeit im Zuge der Digitalisierung, dem Aufkommen des Internets und dem Einsatz elektronischer Tauschbörsen zu grossen Problemen geführt und deren Berechtigung ist zum Dauerthema innerhalb der Revisionsdebatten geworden.

Siehe auch: Schutz technischer Schutzmassnahmen | DRM (Digital Rights Management)

Siehe auch: Vererbung

Sämtliche dem Fotografen zustehenden Rechte sind ausschliesslich bzw. exklusiv. D.h. nur der Fotograf hat das Recht über diese Rechte zur verfügen. Die Verwertungsrechte kann auf er auf dem Weg der Lizenzierung Dritten übertragen. Die Persönlichkeitsrechte hingegen sind höchstpersönlich, können also nicht übertragen werden und sind auch nicht vererbbar. Der Fotograf kann einzig auf deren Nutzung verzichten.

Nicht zu verwechseln ist diese Exklusvität, mit den in der Praxis sehr oft eingesetzten exklusiven Nutzungslizenzen. Hierbei überträgt der Urheber dem Lizenznehmer vertragliche Nutzungsrechte exklusiv, d.h. er garantiert dem Lizenznehmer, keinem weiteren Lizenznehmer die gleichen Rechte zu übertragen.


Der Begriff Folgerecht bezeichnet die prozentuale Beteiligung des Fotografen am Erlös des Weiterverkaufs seiner Fotografie an Auktionen. Die Einführung eines solchen Folgerechts wird im Rahmen der (Teil)Revision diskutiert und wurde in der EU bereits eingeführt.

Siehe auch: kollektive Verwertung

Freie Werke sind Objekte, welche entweder von Gesetzes wegen aus dem Urheberrecht ausgeschlossen sind (amtliche Erlasse, Zahlungsmittel, Berichte von Behörden etc.) oder deren Schutzdauer abgelaufen ist. Diese Werke dürfen ohne Einholung einer Bewilligung und Bezahlung eines Honorars frei genutzt werden.

Im Resultat gleich, in der Begründung jedoch zu unterscheiden, sind Objekte, die nicht über den gesetzlich geforderten Werkcharakter verfügen, was gerade hinsichtlich Fotografien von wesentlicher Bedeutung ist. Diese Fotografien dürfen ebenfalls frei und ohne Kosten weiterverwendet werden, da sie keine Werke im Sinne des Urheberrechts sind.


Der gewerbliche Rechtsschutz (Patent-, Marken-, Design- und Sortenschutzrecht) sowie das Urheberrecht und die ihm verwandten Schutzrechte regeln die Rechte an immateriellen Gütern. Die Schutzrechte werden unter dem Oberbegriff «Immaterialgüterrecht» zusammengefasst. Weil diese Rechte eine eigentumsähnliche Situation schaffen, wird das Immaterialgüterrecht auch als Geistiges Eigentum bezeichnet.

Wird ein Fotograf in seiner Persönlichkeit verletzt, so kann er hierfür eine Genugtuung verlangen. Das Urheberpersönlichkeitsrecht betrifft insbesondere die Namensnennung und die Verunstaltung bzw. Verstümmelung des Werkes. Aber auch in der Fotografie erkennbare Personen können unter bestimmten Umständen eine Genugtuung durchsetzen, siehe Persönlichkeitsrecht. Eine Genugtuung setzt voraus, dass eine konkrete Anspruchsgrundlage besteht und die Klagevoraussetzungen erfüllt sind.

Im Rahmen der anstehenden (Teil-)Revision wird diskutiert, ob für digitale Speichermedien (Speicher-Sticks, Harddrives etc.) und Geräte, welche solche beinhalten (Computer, MP3-Players, Spielkonsolen, Kameras etc.), eine zusätzliche, gesetzlich verankerte Abgabe eingeführt und erhoben werden soll.

Siehe auch: kollektive Verwertung


Der Fotograf übergibt seine Fotografien in der Regel für die kommerzielle Nutzung dem Auftraggeber, Arbeitgeber, einer Bildagentur, Galerie etc. und erhält im Gegenzug ein Honorar, einen Lohn oder eine Provision. Diese Übergabe beinhaltet stets auch die Übergabe bestimmter Nutzungsrechte; es findet also eine Lizenzierung über bestimmte Verwertungsformen statt. Von besonderer Bedeutung ist dies immer hinsichtlich der zukünftigen Zweitverwertung der Fotografien.


Wird eine Fotografie im Internet verwendet, so liegt eine rechtlich relevante Publikation vor. Es gelten also die gleichen Regeln wie bei der Verwendung von Fotografien in herkömmlichen Printmedien.

Siehe auch: Publikation


Klagevoraussetzungen sind Schaden, Verschulden und Kausalzusammenhang. Zuerst muss nachgewiesen werden, dass ein finanzieller Schaden entstanden ist. Der Schaden muss durch die beanstandete Rechtsverletzung verursacht worden sein. Ist dieser gegeben, so stellt sich die Frage nach dem Verschulden, d.h. ob das Verhalten des Schädigers absichtlich, vorsätzlich, fahrlässig etc. war. Anders jedoch bei der Genugtuung, hier stützt sich das Gericht nicht auf das Verhalten des Schädigers, sondern beurteilt die Schwere der Persönlichkeitsverletzung.

Gewisse Verwertungsformen urheberrechtlich geschützter Werke können von den einzelnen Urhebern nicht kontrolliert und in Rechnung gestellt werden. Damit die Urheber dennoch eine gewisse Entlöhnung für diese Verwertungen erhalten, sieht das Urheberrecht das Institut der sog. kollektiven Verwertung vor. Bei der kollektiven Verwertung werden für bestimmte Verwertungsformen Gebühren erhoben bzw. Beiträge eingesammelt, welche anschliessend unter den Urhebern verteilt werden.

Beispielsweise können mit Fotokopiergeräten auch urheberrechtlich geschützte Werke kopiert werden. Aus Gründen der Praktikabilität müssen im System der kollektiven Verwertung alle Besitzer eines Fotokopiergerätes eine Gebühr entrichten, welche anschliessend unter den Urhebern von Werken, welche kopiert werden können, verteilt werden. Das Gleiche geschieht mit Abgaben, welche auf sog. „Leerträger“ (Video- bzw. Audiokassetten, CD/DVD-Rohlinge) erhoben werden, welche auch die Aufzeichnung bzw. Speicherung urheberrechtlich geschützter Werke ermöglichen. Zur Diskussionsteht die Ausdehnung auf digitale Geräte, siehe Gerätevergütung.

Für die einzelnen Werkarten ist je eine andere Verwertungsgesellschaft zuständig. Für Fotografien die ProLitteris. Jeder publizierende Fotograf kann auf freiwilliger Basis Mitglied der ProLitteris werden und so von den jährlich ausgeschütteten Verwertungseinnahmen profitieren.

ProLitteris Website


Das Urheberrecht ist in weiten Teilen übertragbar und vererblich. Einzige Ausnahme ist das Urheberpersönlichkeitsrecht, siehe hierzu Persönlichkeitsrecht. Grundsätzlich unterscheidet man vertragliche und gesetzliche Lizenzen.

Ein vertragliche Lizenz liegt dort vor, wo der Fotograf einem Dritten (Verlag, Agentur, Auftraggeber etc.) bestimmte Nutzungsrechte an seinen Fotografien überträgt. Solche Lizenzen können beliebig fein ausgestaltet werden und unterliegen nebst dem Urheberrecht den Regelungen des allg. Vertragsrechts, dem Obligationenrecht (OR). In solchen Lizenzverträgen wird in der Regel festgehalten, welche Verwertungsformen übertragen werden (Print, Internet, MMS etc.), welche Territorien eingeschlossen sind, welcher Zeitraum gilt usw.

Das Urheberrecht enthält eine Vermutung zugunsten des Fotografen, indem alle im Vertrag nicht genannten Verwertungsformen als nicht eingeschlossen betrachtet werden. Solche Verträge sind frei verhandelbar und unterliegen somit der Verhandlungsmacht der einzelnen Vertragspartner, weshalb zu empfehlen ist, derartige Verträge genau zu lesen.

Mit gesetzlichen Lizenzen werden gewisse Verwertungsformen von der Verfügungsfreiheit des Fotografen ausgenommen. Relevant sind vor allem die zwingend erlaubte Verwendung im Rahmen des Eigengebrauchs sowie des Unterrichts (siehe Schutzschranken, Eigengebrauch und Unterrichtszweck). Ebenfalls im Gesetz vorgeschrieben wird die Übertragung der Wahrnehmung gewisser Nutzungsrechte an eine Verwertungsgesellschaft.

Siehe auch: Kollektive Verwertung

Siehe auch: Honorar


Haben mehrere Personen an der Schaffung eines Werkes mitgewirkt, so steht ihnen das Urheberrecht von Gesetzes wegen gemeinschaftlich zu. Wenn vertraglich nichts anderes vereinbart wurde, können die Miturheber das Werk nur mit Zustimmung aller verwenden.

Wird jedoch eine Fotografie unter Beihilfe von Assistenten geschaffen, so werden diese nicht Miturheber, sondern unberechtigte Hilfspersonen genannt. Gleiches gilt normalerweise auch für Visagisten, Dekorateure etc., sofern deren Schaffen nicht als selbstständig geschütztes Werk zu betrachten ist. Die genauen Unterscheidungen müssen im Einzelfall vorgenommen werden und können durchaus Schwierigkeiten bereiten.

Zwischen dem Fotografen und dem Model wird normalerweise ein Model Release Vertrag abgeschlossen. Dieser regelt für beide Parteien, welche Rechte und Pflichten Ihnen zukommen, also wann, wo, wie und zu welchen (Zahlungs-)Bedingungen das Model erscheinen soll und wem anschliessend welche Nutzungsrechte an den entstandenen Bildern zukommen.

In der Praxis ist immer wieder festzustellen, dass hinsichtlich der Urheber- oder eben Nutzungsrechte an den Bildern Missverständnisse zwischen Fotograf und Model entstehen können, indem sowohl der Fotograf als auch das Model davon ausgehen, die Bilder frei verwenden zu dürfen, da schliesslich er die Bilder geschossen hat respektive es selber auf den Bildern zu sehen ist. Rechtlich ist und bleibt stets der Fotograf Urheber, wobei seine Nutzungsrechte durch die Persönlichkeitsrechte des Models eingeschränkt sind. Also dürfen weder der Fotograf noch das Model frei über die Bilder verfügen. Deswegen lohnt es sich, Unklarheiten bereits im Vorfeld mit eindeutigen Vereinbarungen zu vermeiden.


Nutzer ist, wer urheberrechtlich geschützte Werke nutzt bzw. verwertet. Der Fotograf hat das ausschliessliche Recht zu bestimmen, ob, wann und wie seine Fotografie genutzt wird, sofern sie über den gesetzlich verlangten Werkcharakter verfügen. Dieses Recht wird ausnahmsweise zugunsten bestimmter Nutzungen eingeschränkt.

Siehe auch: Schutzschranken | Publikation | Bearbeitung


Die Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen gestalten sich bei prominenten Menschen anders als bei gewöhnlichen Bürgern. Aufgrund Ihrer Bekanntheit besteht ein erhöhtes Interesse, über diese Menschen Informationen und eben auch Fotografien verbreiten zu dürfen. Prominente, welche man inzwischen bereits in relative und absolute Personen der Zeitgeschichte unterteilt, müssen sich daher stärkere Eingriffe in ihre Privatsphäre gefallen lassen. Wo jedoch welche juristischen Grenzen zu ziehen sind, was fotografiert werden darf und welche Publikationsformen zulässig sind, kann nicht pauschal beantwortet werden. Das variiert von Fall zu Fall und erlebt in jüngster Zeit zusätzlich einen grossen Wandel durch veränderte ethisch-moralische Wertvorstellungen.

Im Zusammenhang mit der Fotografie sind zwei Formen von Persönlichkeitsrechten von Bedeutung. Die Persönlichkeit des Fotografen und die Persönlichkeit von Personen die in der Fotografie erkennbar sind.

Urheberpersönlichkeitsrechte sind jene Rechte der Urheber, die ihnen um ihrer Persönlichkeit Willen an den von ihnen geschaffenen Werken zustehen. Es geht um den Schutz ihres Rufes Ansehens und ihre Reputation. Darunter fallen etwa das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft (Namensnennung), auf Erstveröffentlichung des Werkes und auf Werkintegrität (Bearbeitungsrecht). Dieses Recht ist höchstpersönlich, was bedeutet, dass es nicht auf Dritte übertragen werden und auch nicht vererbt werden kann. Der Fotograf kann einzig vertraglich auf die Wahrnehmung dieser Rechte verzichten.

Nebst der Persönlichkeit des Fotografen ist bei der Fotografie, sobald auf dem Bild Personen erkennbar sind, das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Personen zu beachten. Jene können sich über das sog. Recht am eignen Bild gegen diverse Verwertungs- bzw. Publikationsformen zur Wehr setzen und Genugtuungsansprüche geltend machen.

Siehe auch: Model Release

Seit dem Einzug der Digitaltechnik, insbesondere des Internets, werden in stets wachsenden Ausmass urheberrechtlich geschützte Werke ohne Einhaltung der gesetzlichen Regelungen kopiert, getauscht, verbreitet und auch kommerziell verwertet. Dieses Phänomen, auch Piraterie genannt, widerspiegelt das geringe gesellschaftliche Bewusstsein über das Urheberrecht.

Im kontinentaleuropäischen Urheberrecht entsteht das Urheberrecht immer beim Urheber. In der heutigen Contentindustrie werden jedoch immer mehr Werke durch arbeitnehmende Urheber erstellt, weshalb der Ruf nach einem Produzentenartikel stetig lauter wird. Dieser liesse das Urheberrecht nicht beim Urheber entstehen, sondern direkt beim Arbeitsgeber, Produzent etc.

Im Rahmen der anstehenden (Teil-)Revision des Urheberrechts wird über die Einführung eines Produzentenartikels auch in der Schweiz diskutiert. Bisher wird diese Frage in der Schweiz mittels der Zweckübertragungstheorie gelöst, in anderen Ländern wird das Problem teilweise auch über ein besonderes Urhebervertragsrecht geregelt.

Anders im angloamerikanischen Recht: Hier entstehen die Rechte an Auftragswerken oder an Werken, die im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses geschaffen werden, automatisch beim Auftraggeber, Produzenten bzw. Arbeitgeber.

Pro Litteris ist die Verwertungsgesellschaft für Fotografie. Jeder publizierende Fotograf kann auf freiwilliger Basis Mitglied der ProLitteris werden und so von den jährlich ausgeschütteten Verwertungseinnahmen profitieren.

Siehe auch: Kollektive Verwertung

Website ProLitteris

Siehe auch: Honorar

Der Fotograf hat das ausschliessliche Recht zu bestimmen, ob, wann und wie seine Fotografie verwendet wird. Darunter fallen u.a. das Veröffentlichungs- bzw. Publikations-, das Reproduktions-, das Verbreitungs-, das Aufführungs- und Vorführungsrecht sowie das Senderecht.

Siehe auch: Verwertungsformen, -arten bzw. -rechte


Seit rund drei Jahren sind Bemühungen für eine Teilrevision des Urheberrechts im Gang und im Februar 2006 wurde der zweite Vorentwurf präsentiert. Momentan laufen rechtspolitische Debatten der verschiedenen Interessensgemeinschaften, ob und in welcher Form diesem Vorentwurf zugestimmt werden soll. Es steht somit offen, ob, wann und mit welchem Inhalt die Teilrevision in Kraft treten wird. Debattiert wird insbesondere über folgende Punkte:
  • Bibliothekstantième
  • Folgerecht
  • Gerätevergütung
  • Produzentenartikel
  • Schutz technischer Schutzmassnahmen (DRM)
  • Vervielfältigung zu Sendezwecken
  • Vorübergehende Vervielfältigung


Das gerichtliche Einfordern eines Schadenersatzes setzt voraus, dass eine konkrete Anspruchsgrundlage besteht und bestimme Klagevoraussetzungen erfüllt sind.

Im Rahmen der anstehenden (Teil-)Revision des Urheberrechts steht die Einführung einer spezifischen Regelung für Umgehungen technischer Schutzmassnahmen zur Diskussion. Konkret geht es darum, wann das Umgehen oder Knacken von technischen Schutzmassnahmen zulässig oder verboten sein soll und welche rechtlichen Konsequenzen daran geknüpft werden sollen. Die Einführung eines solchen Verbots kann je nach Gestaltung der Regelung weitgehenden Konsequenzen auf den Eigengebrauch mit sich bringen, siehe zusätzlich auch DRM.

Nach Ablauf des Urheberrechtsschutzes (70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) wird ein Werk urheberrechtlich frei und fällt in das Eigentum der Allgemeinheit (Domaine public): Es darf ohne weiteres verwendet oder bearbeitet werden, ohne dass vorgängig die Rechte für die Nutzung eingeholt werden müssen.

Der durch das Urheberrecht verliehene Schutz wird an gewissen Stellen, zum Schutz anderer Interessen, ausnahmsweise durchbrochen. Man spricht von Schutzschranken. Für die Fotografie von Bedeutung sind insbesondere die Schranke des Eigengebrauchs und des Unterrichtszwecks.

Das Senderecht umfasst die Weiterverbreitung urheberrechtlich geschützter Werke über Ausstrahlungen bzw. Weitersendungen. Im Zusammenhang mit der Fotografie sind praktisch nur Ausstrahlungen im Fernsehen von Bedeutung. Die Wahrnehmung dieses Rechts kann der zuständigen Verwertungsgesellschaft, bei Fotografien der Pro Litteris, übertragen werden. Dies macht in den meisten Fällen Sinn, da es dem einzelnen Urheberrecht in der Regeln nicht möglich ist, die Verbreitung seiner Fotografien im Fernsehen zu kontrollieren.

Siehe auch: kollektive Verwertung

Als Stockbilder bezeichnet man Fotografien, welche vorgefertigt und anschliessend quasi ab Lager (von engl. on stock) verkauft werden.

Siehe auch: Royalty Free

Nebst der zivilrechtlichen Forderungsansprüche kann eine Verletzung des Urheberbzw. Wettbewerbsrechts auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und mit Busse und Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden. In der Praxis werden strafrechtliche Sanktionen praktisch nur dort ausgesprochen, wo das Urheber- bzw. Wettbewerbsrecht im groben Ausmass vorsätzlich und gewerbsmässig verletzt wird. Im Zusammenhang mit dem Schutz technischer Schutzmassnahmen könnten strafrechtliche Massnahmen, je nach Ausgestaltung der Regelung, eine neue Bedeutung erhalten.

Das Urheberrecht kennt keinen Sujetschutz, man nennt dies die Panoramafreiheit. Es kann und darf jeder Fotograf jederzeit das gleiche Objekt bzw. Sujet oder den gleichen Gegenstand ebenfalls fotografieren. Ausnahmen können sich jedoch dort ergeben, wo das Sujet selbstständigen Urheberrechtsschutz geniesst, z.B. bei Kunstwerken. Juristische Unklarheiten ergeben sich dort, wo der ganz spezielle Stil eines Fotografen bewusst nachgeahmt wird. Wenn also z.B. für eine Werbeaufnahme eigens eine neue, individuelle „Bildwelt“ bzw. irreale Umgebung geschaffen wird, so kann dieser Stil durchaus selbstständigen Schutz geniessen und darf nicht 1:1 sog. sklavisch kopiert werden.


In der Praxis sehen Lizenzverträge oder auch Auftragsbestätigungen etc. zwischen Fotografen und Lizenznehmern häufig vor, dass die Nutzungsrechte bzw. Verwertungsrechte universell oder unbeschränkt übertragen werden. Mit solchen Klauseln übergibt der Fotograf sämtliche Rechte über alle Verwertungsformen und auch die Zweitverwertung etc. dem Lizenznehmer. Folgende Rechte kann der Fotograf jedoch gar nicht übertragen, weshalb solche Verträge in diesen Punkten nicht gesetzeskonform und ungültig sind: Das eine sind zukünftige Verwertungsformen, das andere seine Persönlichkeitsrechte.

Eine der Schutzschranken des Urheberrechts ist die Nutzung von geschützten Werken zu Unterrichtszwecken. Diese Ausnahme erlaubt Lehrpersonen, Fotografien für den Unterricht in der Klasse, ohne Genehmigung des Fotografen und ohne Bezahlung eines Honorars, zu verwenden.

Der Urheber ist die natürliche Person, die das Werk geschaffen hat. Diese kann vertraglich über das Urheberrecht verfügen und bestimmte Teilrechte abtreten, siehe auch Lizenzierung. Die Empfänger werden dann zu Teilrechtsinhabern bzw. Lizenznehmern. Jene Verwertungsrechte, die der Urheber nicht Dritten übertragen hat, gehen nach dem Tod an die Erben über. Nicht davon betroffen sind die dem Urheber persönlich zustehenden Rechte, siehe auch Persönlichkeitsrecht.

Das Schweizer Urheberrechtsgesetz (URG) vom 9.10.1992 enthält Regelungen darüber, was ein geschütztes Werk ist, welche Rechte den Urhebern zustehen und wo der Schutz durch Schutzschranken aufgehoben wird. Weiter regelt das Urheberrecht die kollektive Verwertung für bestimmte Verwertungsformen und enthält Bestimmungen wie eine Verletzung von Urheberrechten durchgesetzt bzw. bestraft wird. Das Urheberrecht gilt auch gegenüber Dritten, der Fotograf kann sich somit nicht nur gegenüber Vertragspartnern, sondern auch gegenüber Dritten auf das Urheberrecht berufen.

Die Schweiz kennt, im Unterschied zu Deutschland, kein Urheberrechtvertragsrecht, welches die Vertragsverhältnisse des Urhebers zu Dritten regelt. In der Schweiz besteht im Grundsatz Vertragsfreiheit, d.h. die Vertragsparteien bestimmen im Rahmen der allgemeinen Vertragsgrundsätze des Obligationenrechts (OR) selber, welche Regelungen der Vertrag beinhalten soll.

Von grosser praktischer Bedeutung ist für nicht selbstständige, also arbeitnehmende Urheber zumeist die Frage, wem in dieser Situation die entstandenen Rechte zustehen. Vgl. hierzu die Zweckübertragungstheorie. Ebenfalls zu beachten sind stets die im Vertrag enthaltenen Verwertungsformen bzw. Nutzungsrechte. Diese können sehr detailliert und eingeschränkt sein oder sich eher pauschal auf beinahe sämtliche Verwertungsformen ausdehnen.


Urheberrechte gehen nach dem Tod des Fotografen auf die Erben über bis die Schutzdauer angelaufen ist. Nicht vererbt werden die Persönlichkeitsrechte.

Der Verletzerzuschlag ist ein Zuschlag auf das zu entrichtende Honorar im Falle einer Urheberrechtsverletzung. Die Schweiz kennt im Gegensatz zu ausländischen Gesetzgebungen keinen gesetzlichen Verletzerzuschlag und ein solcher kann nur dort eingefordert werden, wo dies im Vorfeld vertraglich vereinbart wurde.

Wer Werkexemplare der Literatur und Kunst (Posters, Foto-CDs/DVDs usw.) vermietet oder sonstwie gegen Entgelt zur Verfügung stellt, schuldet dem Fotografen dafür eine Vergütung.

Das Urheberrecht zählt die einzelen Verwertungsformen ganz bewusst, bis auf gewisse Ausnahmen, nicht konkret auf und spricht immer nur pauschal von weiterverbreiten, vervielfältigen, öffentlich wahrnehmbar machen, weitersenden etc. Dies aus dem Grund, dass das Gesetz flexibel und offen bleiben muss, damit auch zukünftige, heute nicht bekannte Verwertungsformen eingeschlossen sind.

Die gleiche Regelung gilt sinngemäss auch für Lizenzverträge. Der Fotograf kann auf dem Weg der Lizenzierung nur jene Verwertungsrechte einem Dritten bzw. Lizenznehmer übertragen, welche zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bekannt sind. Nicht eingeschlossen sind jeweils zukünftige Verwertungsformen. Andere Formulierungen verstossen gegen das Gesetz und sind ungültlig, siehe auch Buyout und universelle Nutzungsrechte.

Gerade in jüngster Zeit sind und werden, begünstigt durch die Digitaltechnik, eine ganze Reihe neuer Formen für die Verwertung von Fotografien entstanden (Internet, CD/DVD, MMS etc.).

Für Fotografien ist die ProLitteris zuständig. Jeder publizierende Fotograf kann auf freiwilliger Basis Mitglied der ProLitteris werden und so von den jährlich ausgeschütteten Verwertungseinnahmen profitieren.

Siehe auch: Kollektive Verwertung

ProLitteris Website


Werke sind - unabhängig von ihrem Wert oder Zweck - geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben. Hierzu gehören auch Fotografien. Geschützt sind jedoch nur Fotografien, die über den sog. Werkcharakter verfügen. Der Urheberrechtsschutz beginnt mit der Entstehung der Fotografie, also dem Auslösen des Verschlusses, ohne dass irgendwelche Formalitäten (wie Hinterlegung des Werkes oder Eintrag in ein Register) notwendig sind. Das Werk ist nicht zu verwechseln mit dem einzelnen Werkexemplar.

Das Urheberrecht zählt am Anfang in einem sog. „Werkkatalog“ die verschiedenen Werkarten auf, welche durch das Urheberrecht geschützt sind. Dort werden die „fotografischen Werke“ separat genannt, weshalb Fotografien eine selbstständige Werkart darsetellen. Jede einzelne Fotografie geniesst urheberrechtlichen Schutz, sofern sie über den sog. Werkcharakter verfügt.

Damit eine Fotografie ein Werk im Sinne des Urheberrechts darstellt, muss sie über den sog. Werkcharakter verfügen, ansonsten kommt das Urheberrecht gar nicht erst zur Anwendung und es fallen sämtliche Rechte aus dem Urheberrecht dahin. Wann und ob eine Fotografie über den vom Gesetz verlangten Werkcharakter verfügt, ist in der Schweiz umstritten, es gibt keine allgemein gültigen Regeln und die Gerichtspraxis neigt dazu, Fotografien den Urheberrechtsschutz nur sehr restriktiv zuzusprechen.

Als Faustregel kann immerhin festgestellt werden, dass inszenierten Fotografien wie z.B. bei der Werbe-, Mode- oder Studiofotografie der Schutz eher zugesprochen wird, währenddessen Fotografien vorgefundener Objekte, wie z.B. journalistische Bilder über reale Ereignisse, der Schutz tendenziell eher abgesprochen wird, siehe auch Wettbewerbsrecht.

Wann und ob eine Fotografie den gesetzliche geforderten Werkcharakter besitzt, bleibt freilich stets eine schwierige und fallspezifische Abwägung, welche praktisch nur von spezialisierten Juristen beurteilt werden kann.

Vom Werk zu unterscheiden ist schliesslich das Werkexemplar. Das Werkexemplar ist ein Exemplar des Werkes, bei der Fotografie also z.B. ein Abzug bzw. Print oder eine digitale Kopie. Der Käufer eines Exemplars erhält nur das sachenrechtliche Eigentumsrecht am Exemplar, jedoch keine Urheberrechte. Er darf das Exemplar weiterverkaufen oder ausleihen, nicht jedoch weitere Exemplare herstellen oder das Exemplar sonst wie verbreiten.

Siehe auch: Vermietrecht | Eigengebrauch

Das Schweizerische Wettbewerbsrecht (UWG) vom 19. Dezember 1986 regelt, welche Handlungen im Wettbewerb unlauter und somit verboten sind. Hinsichtlich der Fotografie ist insbesondere eine Regelung von Bedeutung, wonach unlauter handelt, wer ein marktreifes Produkt durch technische Reproduktionsverfahren und ohne angemessenen eignen Aufwand übernimmt und verwertet. Wer also mittels Digitaltechnik Fotografien kopiert und kommerziell verwertet, handelt unlauter und wird Schadenersatzpflichtig. Dieser Schutz ist selbstständig und besteht unabhängig eines allfälligen Urheberrechtsschutzes. Hier stellt sich also die (Vor-)Frage nach dem Werkcharakter nicht.


Zur Veranschaulichung, zur Erläuterung oder als Hinweis darf ein veröffentlichtes Werk ohne Erlaubnis der Berechtigten zitiert werden, wobei der Umfang des Zitats durch den Zweck des Zitats gerechtfertig sein muss. Zitate müssen mit Anführungs- und Schlusszeichen („…“) gekennzeichnet werden, weiter sind die Quelle und der Urheber zu nennen.

Hinsichtlich Fotografien kann die Frage, ob nun ein zulässig zitiertes Bild (sog. „Bildzitat“) oder eine unzulässige Illustration vorliegt, nur sehr schwer beantwortet werden. Ebenfalls unklar ist, welches der zulässige Umfang ist, da Fotografien praktisch nur komplett zitiert werden können, was jedoch nicht erlaubt ist. Werden aber nur Auszüge, also Bildausschnitte zitiert, stellt wich wiederum die Frage das Werk nicht entstellt wurde, was wieder eine Urheberrechtsverletzung darstellt.

Die Zweckübertragungstheorie bietet eine Auslegungshilfe bei fehlenden oder unklaren vertraglichen Vereinbarungen. Sie besagt, dass bei Unklarheiten der (ursprüngliche) Vertragszweck begrenzt, welche Rechte in welchem Umfang als übertragen gelten.

Diese Theorie spielt vor allem in Arbeitsverhältnissen eine Rolle: Grundsätzlich entsteht das Urheberrecht immer beim Urheber. Selbst wenn ein Fotograf im Rahmen einer Anstellung Fotografien für seinen Arbeitgeber erstellt, entsteht das Urheberrecht automatisch bei ihm. In der Praxis werden daher die Nutzungsrechte durch den Arbeitsvertrag an den Arbeitgeber übertragen. Wo eine solche vertragliche Regelung fehlt bzw. unklar formuliert ist, kommt die Zweckübertragungstheorie zum Einsatz. Gemäss dieser Theorie werden die Nutzungsrechte an Fotografien automatisch an den Arbeitgeber übertragen, soweit dies für die Erfüllung des Arbeitsvertrages (Vertragszweck) nötig ist. Das heisst, dass nur die nötigen Rechte als übertragen gelten und auch nur jene Werke betroffen sind, welche während der Arbeitszeit entstanden sind.

Fotografien werden in der Regel zu einem bestimmten Zweck hergestellt und der Fotograf dafür bezahlt. Ist nichts anderes vereinbart, bleiben die Nutzungsrechte beim Fotografen und er hat die Möglichkeit, die Bilder erneut zu verwerten. Man spricht von der Zweitverwertung, siehe auch Verwertungsformen. Das Gleiche gilt, wenn Bilder für eine bestimmte Werbekampagne produziert werden. Ist nichts anderes vereinbart, muss der Fotograf für eine Wiederholung der Kampagne erneut vergütet werden.



 


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