Lisa Truffer 1
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Lisa Truffer 1
Lisa Truffer 1
Hanna Jaray 1. Preis, Keystone CHF 4000.-



Hanna Jaray

Stauffacherstrasse 95
8004 Zürich / Schweiz
+41 43 538 45 14
+41 77 406 95 54
hannajaray@yahoo.com

Lisa Truffer

Grächen ist ein kleines Bergdorf. Es liegt auf 1600 Meter im Oberwallis. Erst seit 50 Jahren gibt es eine befahrbare Strasse vom Tal zum Dorf hinauf. Im typischen Walliser Baustil stehen die alten Häuser leicht erhöht auf schweren Steinplatten damit die Mäuse nicht an die Vorräte herankommen.

Das Haus der Familie Truffer wurde 1445 gebaut und ist damit das älteste Haus im Wallis. Die Innschrift an der Decke kann nicht einmal der Pfarrer entziffern.
Lisa kam mit der Heirat mit Alfred Truffer nach Grächen. Alfred Truffer selber war zusammen mit elf Geschwistern in diesem Haus aufgewachsen.

Das Haus besteht aus einem einzigen Zimmer, das gleichzeitig als Wohnzimmer und Schlafzimmer dient, und einer Küche. Auf dem Dachstock war wahrscheinlich schon seit Jahren niemand mehr. Fliessendes Wasser im Haus ist ein Luxus, den sich Lisa erst seit sieben Jahren gönnt. Die Toilette ist noch immer ein „Plumpsklo“.
Lisa lebt ein bescheidenes Leben. Um sieben Uhr steht sie auf und als erstes wird der Ofen eingeheizt, damit es warm wird im Haus. Unter Ihrem Kopfkissen liegt eine Taschenlampe, denn die einzige Glühbirne im Wohnzimmer gibt nur wenig Licht her. Wie ein Ritual befestigt sie ihre vielen Haarspangen, während sie aus dem Fenster auf die Alpenspitzen schaut und versucht, sich ein Bild über das Wetter des neuen Tages zu machen. Bevor sie das Haus verlässt, segnet sie sich mit Weihwasser. Am Abend im Bett, vor dem Einschlafen, zugedeckt mit mehreren Decken, spricht sie leise für sich ein Gebet.
Lisa erzählte mir allerlei Geschichten wie es war als „Fremde“ nach Grächen zu kommen. “Er war gut zu mir “, sagt sie wiederholt über Alfred. Man hat den Eindruck sie lebe noch ganz eng mit ihrem geliebten Mann zusammen. Als er starb, blieb er vorerst drei Tage zuhause, damit seine Seele durch das Seelenfenster entschwinden konnte und Freunde und Verwandte durften von ihm Abschied nehmen. Drei Nächte schlief sie neben ihm; „Ich hatte keine Angst vor seinem Geist.“ Lisa denkt und lebt in der Vergangenheit.

Zwischen November 2004 und Februar 2005 habe ich Lisa mehrmals besucht und jeweils mehrere Tage bei ihr gewohnt. Zurzeit ist Lisa in einem Krankenhaus in Visp und es scheint, dass es ihr nicht mehr möglich sein wird in ihr Haus zurück zu kehren. Somit wird wahrscheinlich die Geschichte dieses Hauses, welches im Jahre 1445 gebaut worden war im Jahr 2006 zu Ende gehen, denn es gibt keine Familie mehr, die dieses Haus übernehmen kann.

Meine Arbeit, die ursprünglich aus ca. 20 Bildern bestand, soll eine kleine Hommage sein an die Familie Truffer aber auch an die dazugehörige Schweizer Geschichte.
Hanna Jaray, 2006

Aus technischen Gründen sind 6 Bilder zu sehen



 


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